E-Rechnung-Software im Vergleich: worauf Sie bei der Auswahl achten sollten

Teilen auf:
E-Rechnung-Software im Vergleich: worauf Sie bei der Auswahl achten sollten
Mit der E-Rechnungspflicht stehen Unternehmen vor der Frage: Welche Software ist die richtige? Statt eine fertige Empfehlung zu geben, zeigt dieser Artikel die wichtigsten Auswahlkriterien – von Formatabdeckung über Validierung bis zur GoBD-konformen Archivierung.

Warum die Wahl der Software so wichtig ist

Die E-Rechnungspflicht ist keine rein technische Frage. Wer ein ungeeignetes Werkzeug einsetzt, riskiert formal fehlerhafte Rechnungen, Probleme beim Vorsteuerabzug und teure Nacharbeit. Eine geeignete Software übernimmt heute drei Aufgaben gleichzeitig: Erstellen, Versenden und Archivieren von Rechnungen – und tut das so, dass alle gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden.

Der Begriff „E-Rechnung-Software" umfasst sehr unterschiedliche Lösungen – von schlanken Online-Tools über klassische Rechnungsprogramme bis hin zu umfassenden ERP- und Buchhaltungssystemen. Was Sie wirklich brauchen, hängt von Ihrer Unternehmensgröße und Ihren Prozessen ab.

Die wichtigsten Auswahlkriterien

1. Unterstützte Formate

Ein Muss: Die Software muss XRechnung und ZUGFeRD in den korrekten Profilen erzeugen können. Achten Sie konkret darauf, dass mindestens das Profil EN 16931 unterstützt wird. Die Profile MINIMUM und BASIC-WL erfüllen die Anforderungen der E-Rechnungspflicht nicht und sind daher nutzlos.

Eine gute Lösung bietet idealerweise:

  • XRechnung (aktuelle Version)

  • ZUGFeRD ab Profil EN 16931 (besser auch EXTENDED)

  • Export als PDF für Vorschau und Kundennutzen

  • Empfangsmöglichkeit für eingehende E-Rechnungen

2. Integrierte Validierung

Eine eingebaute Validierung prüft die Rechnung vor dem Versand auf:

  • Vollständigkeit der Pflichtfelder nach § 14 UStG

  • Konformität mit der Norm EN 16931

  • Korrektheit der XML-Struktur

  • Plausibilität der Beträge und Steuersätze

Ohne Validierung erkennen Sie Fehler erst, wenn der Empfänger reklamiert – oft Wochen später. Das verzögert die Zahlung und schadet der Geschäftsbeziehung.

3. GoBD-konforme Archivierung

Die Software muss E-Rechnungen so speichern, dass sie den GoBD-Anforderungen entsprechen: unveränderbar, jederzeit lesbar, vollständig nachvollziehbar und mindestens 10 Jahre verfügbar. Wichtig ist, dass die Originaldatei (XML bzw. PDF/A-3) gespeichert wird – nicht nur ein nachträglich erzeugter Ausdruck.

Box illustration

Wenn die Software die Originaldatei nicht revisionssicher speichert, riskieren Sie bei einer Betriebsprüfung den Verlust des Vorsteuerabzugs. Achten Sie deshalb bei der Auswahl ausdrücklich auf den Begriff „GoBD-konform" – nicht nur „digital".

4. Stammdatenpflege und Wiederverwendung

Wer regelmäßig Rechnungen schreibt, braucht eine effiziente Verwaltung von:

  • Kundendaten (Name, Anschrift, USt-IdNr., bei B2G Leitweg-ID)

  • Produkten oder Leistungen mit Preisen und Steuersätzen

  • Zahlungsbedingungen

  • eigenen Vorlagen

Eine gute Software lädt diese Daten automatisch, sodass jede neue Rechnung in wenigen Klicks erstellt ist.

5. Benutzerfreundlichkeit

Klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Viele Buchhaltungs- und ERP-Lösungen sind technisch leistungsfähig, aber für kleine Unternehmen und Selbstständige zu komplex. Achten Sie auf:

  • klare Benutzeroberfläche

  • einfache Erstellung in wenigen Schritten

  • Hilfetexte direkt im Formular

  • gute Suche und Filter in den Listen

6. Versandwege

Die Software sollte mindestens den Versand per E-Mail unterstützen. Wer mit Behörden zusammenarbeitet, braucht zusätzlich Anbindungen an die offiziellen B2G-Portale wie ZRE oder OZG-RE. Für Konzerne können EDI-Schnittstellen relevant sein.

7. Datenschutz und Serverstandort

Rechnungsdaten enthalten sensible Informationen – Kundennamen, Anschriften, Umsätze, Zahlungsdetails. Achten Sie auf:

  • DSGVO-Konformität der Lösung

  • nach Möglichkeit Serverstandort in der EU (idealerweise Deutschland)

  • klare Auftragsverarbeitungsverträge (AV-Vertrag)

Box illustration
Ein selbstständiger IT-Berater vergleicht drei Lösungen. Tool A bietet alle Formate und Validierung, archiviert aber nur als PDF. Tool B erfüllt GoBD, hat aber keine ZUGFeRD-Unterstützung. Tool C unterstützt alle Formate, archiviert GoBD-konform und liegt im Budget – diese Lösung gewinnt.

Praktische Vergleichs-Checkliste

Kriterium

Mindeststandard

Optimal

Formate

XRechnung, ZUGFeRD (EN 16931)

+ EXTENDED, Empfang

Validierung

Vor dem Versand

Live während der Eingabe

Archivierung

GoBD-konform, 10 Jahre

+ Volltextsuche, Export

Stammdaten

Kunden, Produkte

+ USt-IdNr.-Prüfung

Versand

E-Mail

+ B2G-Portale, EDI

Sprache & Recht

Deutsch, § 14 UStG

+ USt-ID-Prüfung, OSS

Datenschutz

DSGVO, AV-Vertrag

+ Serverstandort EU/DE

Bedienung

Web-basiert

Browserunabhängig, mobil

Box illustration
MeineRechnungOnline.de wird in Kürze eine browserbasierte Lösung anbieten, die die wichtigsten Kriterien abdeckt: XRechnung und ZUGFeRD, integrierte Validierung, GoBD-konforme Archivierung und eine schlanke Bedienung speziell für kleine Unternehmen und Selbstständige. Das Tool befindet sich aktuell in Vorbereitung.

Worauf Sie nicht hereinfallen sollten

Bei der Auswahl einer Lösung kursieren einige Missverständnisse:

  • „Digital" ist nicht gleich „GoBD-konform". Eine PDF-Archivierung allein reicht nicht aus.

  • „Kostenlos" ist nicht gleich „rechtssicher". Manche Gratis-Tools speichern keine Originaldaten oder unterstützen nur veraltete Formate.

  • „Cloud" ist nicht gleich „unsicher". Entscheidend sind Serverstandort und Verschlüsselung – nicht das Bereitstellungsmodell selbst.

  • „Großer Anbieter" ist nicht gleich „beste Wahl für Kleinunternehmer". Mächtige ERP-Systeme können für Solo-Selbstständige unnötig komplex und teuer sein.

Box illustration
Achten Sie bei Vergleichsseiten und Testberichten darauf, wann diese zuletzt aktualisiert wurden. Die E-Rechnungspflicht ist seit 2025 in Kraft – ältere Empfehlungen können bereits überholt sein.

So gehen Sie strukturiert vor

  1. Bedarfsanalyse: Wie viele Rechnungen erstellen Sie pro Monat? Wie viele B2B vs. B2C? Brauchen Sie B2G-Anbindung?

  2. Pflichtkriterien festlegen: Welche Formate, welche Archivierung, welcher Versandweg?

  3. Shortlist erstellen: Zwei bis drei Lösungen identifizieren, die alle Pflichtkriterien erfüllen.

  4. Testphase nutzen: Die meisten Anbieter bieten kostenlose Testzugänge – mindestens eine reale Rechnung erstellen, validieren und archivieren.

  5. Entscheidung treffen: Wählen Sie die Lösung, die am besten zu Ihrem Workflow passt – nicht zwingend die mit den meisten Funktionen.

Wer noch unsicher ist, welches Format das richtige ist, findet eine ausführliche Gegenüberstellung im Artikel XRechnung vs. ZUGFeRD: welches Format wählen?. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum eigentlichen Erstellen einer E-Rechnung gibt es unter E-Rechnung erstellen – kostenlos und rechtskonform. Einen kompletten Überblick zur Pflicht selbst bietet der Artikel E-Rechnung in Deutschland: Pflicht, Fristen und Formate.

Welche Funktionen muss eine E-Rechnung-Software mindestens haben?

Unterstützung der Formate XRechnung und ZUGFeRD (ab Profil EN 16931), integrierte Validierung vor dem Versand, GoBD-konforme Archivierung der Originaldatei für 10 Jahre und mindestens den Versand per E-Mail.

Reicht eine kostenlose Software für E-Rechnungen?

Ja, sofern sie die Pflichtkriterien erfüllt – also EN-16931-konforme Formate, Validierung und GoBD-konforme Archivierung. Wer nur wenige Rechnungen pro Monat schreibt, kommt mit einer kostenlosen Lösung oft sehr gut zurecht.

Brauche ich eine eigene Software, wenn ich nur E-Rechnungen empfange?

Für den reinen Empfang reicht ein E-Mail-Postfach und ein Viewer. Sobald Sie die Daten in Ihre Buchhaltung übernehmen wollen, lohnt sich eine Software mit Import- und Prüffunktion.

Was bedeutet GoBD-konforme Archivierung genau?

Die Rechnung wird in ihrer Originalform unveränderbar, vollständig nachvollziehbar und jederzeit lesbar gespeichert. Bei E-Rechnungen ist die XML- bzw. PDF/A-3-Datei das Original – ein Ausdruck reicht nicht.

Muss meine Software die Leitweg-ID unterstützen?

Nur wenn Sie an Behörden im B2G-Bereich abrechnen. Für reine B2B-Geschäfte ist die Leitweg-ID nicht erforderlich.

Sind Cloud-Lösungen für E-Rechnungen sicher?

Bei DSGVO-konformen Anbietern mit Serverstandort in der EU und Verschlüsselung ja. Achten Sie zusätzlich auf einen klaren Auftragsverarbeitungsvertrag.

Wie oft sollte ich meine E-Rechnung-Software wechseln?

Solange die gewählte Lösung alle Pflichtkriterien erfüllt und mit aktuellen Versionen der Formate Schritt hält, ist ein Wechsel nicht nötig. Prüfen Sie aber regelmäßig, ob neue Anforderungen (etwa ab 2028) abgedeckt werden.

Verwandte Artikel

E-Rechnung empfangen, prüfen und validieren: So gehen Sie sicher vor
22.6.2026

Eine E-Rechnung kommt an – aber wie öffnen, prüfen und validieren Sie sie korrekt? Diese Anleitung zeigt, was rechtlich nötig ist, welche Werkzeuge helfen und worauf Sie inhaltlich achten sollten, damit kein Vorsteuerabzug verloren geht.

PDF in E-Rechnung umwandeln: So gelingt der Übergang
22.6.2026

Eine PDF-Rechnung gilt seit 2025 nicht mehr als E-Rechnung. Wer Bestandsbelege oder gewohnte Vorlagen weiterverwenden möchte, muss sie in ein strukturiertes Format überführen. So funktioniert der Wechsel sauber und rechtssicher.

E-Rechnung erstellen: kostenlos und rechtskonform in 5 Schritten
16.6.2026

Eine E-Rechnung ist kein einfaches PDF – sie muss strukturierte Daten enthalten und der Norm EN 16931 entsprechen. Hier finden Sie eine praktische Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie Sie eine rechtskonforme E-Rechnung erstellen und versenden.

E-Rechnung-Pflicht: Ausnahmen und Übergangsfristen im Überblick
16.6.2026

Nicht jede Rechnung muss ab 2025 elektronisch sein. Welche Belege bleiben ausgenommen, welche Übergangsfristen gelten je nach Umsatz und ab wann müssen Sie umstellen? Hier finden Sie alle Antworten auf einen Blick.